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Chemisches Laboratorium Dr. Hermann Ulex Nachf.
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Analytik von Chondroitinsulfat Hans-Joachim Mierendorff Chemisches Laboratorium Dr. Hermann Ulex – Hamburg Glasmoorstrasse 23, D 22851 Norderstedt /
Glycosaminoglukane oder „GAG“s (früher Mucopolysaccharide) sind negativ geladene Polysaccharide (Glukane), welche aus 1,4-verknüpften Einheiten von Disacchariden bestehen, in denen ein Mol einer Uronsäure (hier D-Glucuronsäure bzw. L-Iduronsäure) mit der 3-Stellung eines N-acetylierten Aminozuckers (NAG) (Glycosamin) glycosidisch verbunden ist. Bei den Chondroitinen ist regelmäßig Schwefelsäure an Sauerstoff- oder Stickstoffatome gebunden, so daß sie meist stark sauer reagieren.
Die Condroitinsulfate A und C sind N-Acetyl-D-galactosamin-4 oder -6-sulfate. Ähnlich aufgebaut ist das Chondroitin B, bekannt unter dem Namen Dermatansulfat oder ß-Heparin aus L-Iduronsäure und NAG-4-sulfat. (Abbildung 1) Abbildung 1: Chondroitinsulfate (Abbildungen nur im pdf.-Dokument ) Chondroitinsulfate sind als tierische Proteoglykane die Hauptbestandteile von Knorpel, Knochen und Bindegewebe, sie finden sich jedoch auch in Körperschleimen wieder. Es handelt sich bei diesen Stoffen um Polymere mit Molekulargewichten von 25-50 kDalton, nach FALBE et al. [1995] auch mehr als 1000 kDalton.[1] Technisch gewonnen wurden sie früher aus Haiknorpel, später auch aus Rinder- bzw.. Schweinetracheen, heutzutage werden sie wegen der BSE-Problematik fast ausschließlich aus Schweinetrachea hergestellt. Chondroitinsulfate finden medizinischen Einsatz als Hautschutz bei Verbrennungen und werden heute in großem Umfang in Kapselform zur oralen Vorbeugung bzw. zur Bekämpfung von schwindendem Knorpelgewebe verwendet. Besonders wegen der letztgenannten Verwendung stellt sich aus der Pharmaindustrie und dem daraus resultierendem Markt verstärkt die Frage nach dem „Gehalt“ des handelsüblichen Chondroitins. Chondroitin war bis vor kurzem in westlichen Pharmacopoeen nicht offizinell, lediglich die Japonica (JSPI 1991) listet „Sodium Chondroitin Sulphate“ unter der Nummer 04805 auf und verlangt unter „Assay“ 2,5 -3,8% Stickstoff und 5,5-7,0 % Schwefel bezogen auf die Trockensubstanz. Seit neuestem ist Chondrotinsulfat-Natrium im Europäischen Arzneibuch, der EP V.05 [2064], sowie im US-amerikanischen Arzneibuch, der USP XXVIII [CAS 9082-07-9] offizinell. In der EP wird ein Gehalt von 95-105% siccum verlangt; in der USP entspr. 90 – 105% siccum. An dieser Stelle muß angemerkt werden, daß es bis vor Erscheinen der jeweiligen Monographien keine offiziellen „CRS“-Muster (chemische Referenz-Substanz) gab; die heute erhältlichen CRS-Muster sind de jure, wenn überhaupt, nur auf die Analysenmethode der jeweiligen Monographie zertifiziert. Daher sind sie nicht als „absolute Referenzmuster“ anzusehen. In unserem Hause wurden in den letzten 20 Jahren über 2.400 Chondroitinanalysen nach wechselnden Methode durchgeführt und daraus resultierend Muster von herausragender Qualität (hoher Gehalt, hohe Reinheit, spezielle Zusammensetzung) asserviert. Die Aufbewahrung erfolgte bei +4°C unter Argon-Schutzgasathmosphäre. Speziell für die hier angeführte Analytik wurden, da es theoretisch keine Werte über 100% geben kann, zwei Chondroitinsulfatnatrium-Muster ex Shark mit theoretischen Gehalten von 103-106% in der Trockensubstanz, ermittelt nach der „Schwefelmethode“, als derzeitige 100% i.T.-Referenzmuster verwendet. Aufgrund der oben genannten Tatsachen erscheint es sinnvoll, den „Assay“ anhand einzelner Molekülbestandteile des Monomeren zu bestimmen, wie z.B. Na / N / S / SO4 / Glucuronsäure / NAG oder durch ein quantitatives Verfahren, das auf das gesamte Molekül anspricht.
Denkbar sind hier auch physikalische Größen wie optische Drehung, Spektrenanalyse etc. Um überhaupt einen Bezug auf die Summenformel des Monomeren zu erhalten, muß die Art und Menge der bei der jeweiligen Analyse entstehenden Bruchstücke errechnet werden.
In dieser Arbeit wird von einem durchschnittlichen Molekulargewicht von 505,42 Dalton des monomeren Chondrotindinatriumsulfates siccum [C14 H19 O14 NSNa2] ausgegangen. Die wasserhaltige Ware enthält pro Mol 3,5 Mol aq.[567,47 Dalton] Faktoren: 89,066 % Trockensubstanz (%Tr.) [Rezip.: 112,78 %]
Der normale (handelsübliche) Wassergehalt, bestimmt durch Trocknung bei 105°C, liegt aber bei ca. 2-6%. (Der theoretische Wassergehalt bei 3,5 mol /mol Wasser entspricht ca. 11%.) Im Folgenden wird jedoch immer auf die Trockensubstanz berechnet. Die Tabelle zeigt die Bilanz der einzelnen Bestandteile:
Die in der Tabelle gezeigten Werte sind nur hypothetisch, weil die genaue Zusammensetzung des Chondroitinsulfat-Natrium-Polymers relativ starken natürlichen Schwankungen unterworfen ist. Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, daß Chondroitin mit beigefügten Zertifikaten gehandelt wurde, welche sich auf Analysenmethoden bezogen, die oftmals z.B. für eine Zubereitung nicht brauchbar waren oder deren Ergebnisse in Anlehnung an die jeweilige Methode ermittelt wurden, ohne die z.T. aufwendigen Apparate oder das entsprechende Equipment zur Verfügung zu haben. Folgende Gehaltsbestimmungen sind uns auszugsweise bekannt und werden mit wechselnder Häufigkeit in der Praxis angewendet: A. Chemische Bestimmungen 1. Molekülbestandteile 1.1 Bestimmung von Schwefel
2.1 Photometrische Bestimmung mit Dimethylmethylenblau (DMMB)
B. Physikalische Bestimmungen 1. Bestimmung der optischen Drehung
Wir sind in unserem Hause zu der Auffassung gekommen, daß von den uns derzeitig bekannten o.g. Methoden die praxisnahe Schnellbestimmung des Chondroitingehaltes über den Schwefelgehalt die Methode der Wahl ist. Es werden bei handelsüblichen Produkten meistens Gehalte zwischen 92 und 97% i.T. ermittelt. Bei Analysen für spezielle Zwecke mit Anspruch höchster Genauigkeit empfiehlt sich die Methode HPLC unter o.g. Bedingungen, da bei dieser Methode zur Gehaltsberechnung die Flächenbestimmung eines abgesicherten Chondroitinpeaks zugrunde gelegt wird. Die oben unter 2.2.4 und 2.3 genannten Methoden sind ebenso sehr genau, preislich und zeitlich jedoch außerordentlich aufwändig. Sie eignen sich besoners für forensische Schiedsanalysen etc. Literatur [1] Falbe, J., Regitz, M. [2] Privatmitteilung [3] Japanische Pharmacopoe [4] T. Bitter, H.M. Muir [5] Massashi Kosakai + Zensaku Yosizawa [6] Don Woong Choi et al. [7] L. Horikoshi + E. Imanari [8] P. Mikus et al. [9a] Europäische Pharmacopoe [9b] United States Pharmacopoe
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